Projects and Series
The Grant Giving Association European Academy for Women in the Arts Berlin-Brandenburg e.g.) EFAK and the Berlin Initiative for Women Xanthippe e.g. prepared an exhibition in autumn 2009: “European Identity - Intercultural dialogue of female artist in Europe”
This exhibition helped to establish a European network of female artists. We exhibited first in Berlin, Germany, Denmark, Engeland, Polen, Italy and Spain.The participants came from Germany, Poland, Italy, Spain, England, Estonia, Iceland, Austria, Romania, Turkey, and the Netherlands in 2004/5.
Mijn deelname aan dit project:
Wens-Geschenk
Als lijn, uit het Europees meest gebezigde woord Richtlijnen, ontstond de Spiraal. Een archaïsch symbool met een begin en een einde, van leven naar dood, naar leven. Een zich herhalend ontwikkelingsproces naar een hoger niveau.
Met deze geste, wens ik Europa beweging in vastgelopen onderhandelingen. Als helende energie die stagnatie weer doet stromen, boven het individuele belang uit.
De spiralen zijn uitgebouwd tot een blok van negen is 3 x 3. Elke spiraal start vanuit een van de vier windrichtingen, en binnen het blok van negen, meandert de beweging van linksboven naar rechtsonder. Daarin transformeren de kleuren en het contrast. In deze beweging komen Identiteit en het totaal, samen in de 12 landen van de deelnemende vrouwelijke kunstenaars.
My participation in this project:
Wish Gift
The Spiral emerged as a line from the most commonly used word in Europe: Guidelines. An archaic symbol with a beginning and an end, from life to death, to life. A repeating development process to a higher level.
With this gesture, I wish Europe movement in stalled negotiations. As healing energy that gets stagnation flowing again, above individual interests.
The spirals have been expanded into a block of nine, 3 x 3. Each spiral starts from one of the four cardinal directions, and within the block of nine, the movement meanders from top left to bottom right. In this, The colors and contrasts have by then transformed themselves. In this movement, Identity and the whole come together in the 12 countries of the participating female artists.
9 Spiral, Acrylic Nepalese Paper on Canvas, 70x100 cm
The spiral developed from a line in the word »guidelines«. An archaic symbol with a beginning and an end, from life to death to life. A process that develops and continually repeats itself towards a continually higher level. I see this gest, this movement, as a gift to Europe: the wish to breathe new life into negotiations that have become totally deadlocked.
Healing energy that makes stagnation flow again, above personal interests. I have expanded the spirals into a block of nine components (3 x 3). Each spiral starts from one of the four wind directions and the movement meanders within this block of nine from above on the left side to below on the right side.
The colours and the contrast have by then transformed themselves. Within this movement, I am both an individual and more than one person, comparable to the 27 member countries of the European Union.
9 Spiral, Acryl auf nepalesischem Papier auf Leinwand, 70x100 cm
Die Spirale entstand aus einer Linie im Wort „Guidelines“. Ein archaisches Symbol mit einem Anfang und einem Ende, vom Leben zum Tod zum Leben. Ein Prozess, der sich entwickelt und sich ständig wiederholt, um ein immer höheres Niveau zu erreichen. Ich sehe diese Geste, diese Bewegung, als ein Geschenk an Europa: den Wunsch, den völlig festgefahrenen Verhandlungen neues Leben einzuhauchen.
Heilende Energie, die Stagnation wieder in Fluss bringt, über persönliche Interessen hinaus. Ich habe die Spiralen zu einem Block aus neun Komponenten (3 x 3) erweitert. Jede Spirale beginnt an einer der vier Windrichtungen und schlängelt sich innerhalb dieses Neunerblocks von oben links nach unten rechts.
Die Farben und der Kontrast haben sich bis dahin verändert. Innerhalb dieser Bewegung bin ich sowohl ein Individuum als auch mehr als eine Person, vergleichbar mit den 27 Mitgliedsländern der Europäischen Union.
Feminin Torso 1
Oil on Canvas, 40x50 cm
Feminin Torso 2
Oil on Canvas, 40x50 cm
Feminin Torso 3
Oil on Canvas, 40x50 cm
Feminin Torso 4
Oil on Canvas, 40x50 cm
Feminin Torso 5
Oil on Canvas, 40x50 cm
Torso-1
70x100 cm
Torso-2
70x100 cm
Burned
100x120 cm
Cursed
100x120 cm
Damaged
100x120 cm
Empathetic
90x120 cm
Left Side
100x120 cm
Die Beginen im Mittelalter.
Fromme Frauen, die sich unabhängig von Kirche und Klosterorden in der Gesellschaft engagierten. Selbstbewusste Frauen, die sich als Alleinstehende oder Witwen gemeinsam behaupten konnten. Ihr Leitmotiv war: „Das Bewusstsein für Gott in deinem eigenen Herzen“.
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Sie engagierten sich täglich in der Pflege und Bildung. Auch als selbstständige Unternehmerinnen, die mit Textilien arbeiteten. Dies wurde ihnen zu einem späteren Zeitpunkt wieder genommen. Meister Eckhart wurde ihnen von der Kirche zugewiesen, er lernte viel von diesen eigenwilligen Frauen. Dies spielte sich im Mittelalter um 1300 ab.
Im Oktober 1996 organisierte Verena Kyselka einen Herbstsalon in ihrem Atelier im Erfurter Kunsthaus; einen Atelieraustausch. Thema „Vita Activa” Beginen, Frauenmystik im Mittelalter und heute. Um gemeinsam mit Birgit Rauschenbach eine Ausstellung in der Galerie im Rathaus, Erfurt aufzubauen; 20. März 1997. Daran nahmen Deva Woldram (Florenz), Ans Swart, Erika Magdalinski (Port Vendres) und Verena Kyselka (Erfurt) teil.
Sie schreibt: Nicht nur die Spuren-Suche nach den Orten des Wirkens der Beginen, mehr der schöpferische und soziale Lebensgeist, der diesem Frauenorden innewohnte, Bild die inhaltliche Grundlage für die assoziative, künstlerische Umsetzung. Die entstandenen und noch entstehenden Zeichnungen und Gemälde finden sich im Kontext zwischen Vergangenheit und Gegenwart wieder.
The Beguines in the Middle Ages.
Pious women who were involved in society independently of the church and monastic orders. Self-confident women who were able to assert themselves as single women or widows. Their guiding principle was: “Awareness of God in your own heart.”
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They were involved in care and education on a daily basis. They were also independent entrepreneurs who worked with textiles. This was taken away from them at a later date. Meister Eckhart was assigned to them by the church, and he learned a lot from these headstrong women. This took place in the Middle Ages around 1300.
In October 1996, Verena Kyselka organized an autumn salon in her studio in the Erfurt Kunsthaus; a studio exchange. The theme was “Vita Activa” Beguines, women's mysticism in the Middle Ages and today. Together with Birgit Rauschenbach, she set up an exhibition in Galerie im Rathaus, Erfurt on March 20, 1997. Deva Woldram (Florence), Ans Swart, Erika Magdalinski (Port Vendres), and Verena Kyselka (Erfurt) took part.
She writes: Not only the search for traces of the places where the Beguines worked, but more the creative and social spirit of life that was inherent in this women's order, formed the basis for the associative, artistic implementation. The drawings and paintings that have been created and are still being created can be found in the context between past and present.
»Beginen in Erfurt«
heißt eine Ausstellung internationaler Künstlerinnen vom 20. März bis zum 18. April im Erfurter Rathaus. Man darf das Wort »Beginen« nicht mit dem Wort »Beduinen« verwechseln, obwohl uns beide Begriffe in eine exotische Ferne mit verschleiert erscheinenden Figuren führen, die sich unserer direkten Uberprüfbarkeit entzieht. So stellen sich Fragen, die man mit dem Besuch einer entsprechend betitelten Ausstellung beheben versucht.
In der zweiten Etage des Rathauses, in einem schmalen Gang hängen die viereckigen Fenster der Kunst, die uns den Blick in eine ferne Zeit, die sich Mittelalter nennt, ermöglichen sollen.
In einer großflächig verwirrenden Welt bei Deva Wolfram stehen Teile von Frauenkörpern zu vielfarbigen Abgründen in rätselhafter Beziehung.
Eine Akteurin tänzelt hinter einem maskulinen Stab, als beschwöre sie den Anspruch auf Macht.
Erika Magdalinski setzt Texte einer historischen Begine auf Holzstäbe, die zu einem Scheiterhaufen geschichtet, daran erinnern, daß diese Begine durch einen solchen zu Tode gebracht wurde.
Geisterhaft erscheinen uns ihre Spiegelbilder in einem Spiel zwischen gestern und heute.
Verena Kyselka interessiert der geäußerte erotische und irdische Anspruch in den mittelalterlichen Versen.
Auf durchsichtigem Untergrund tummeln sich neben Worten auch schemenhafte Figuren, die in leicht schwebender Transparenz versuchen, die Zeitabstände aufzuheben.
Schockierend sind die Bilder von Ans Swart. Hier wird klar, Beduinen haben nichts mit den Beginen zu tun, die Umhüllung fällt. Ein großer weiblicher Torso schiebt von rechts über die uns bekannte anheimelnde Fachwerkkulisse.
Später schwebt dieser Körper ganz über dem Strichwerk einer Holzkreuzfassade.
Der Körper ist selbst ein Kreuz, der uns im nächsten Bild sein Blut entgegenspritzt.
Das Zeichen des Blutens steht über einer rötlich herzförmigen Fläche, die geheimnisvoll tiefgründig das Rot wieder fängt, schließt, harmonisiert, als sei es eine andere wohlerfahrene Kraft, die sich zum Abschluß noch einen erfrischenden Wasserstrahl versetzt.
Bild für Bild entsteht in dieser Ausstellung aus einer fast näckigen, irritierenden Formspielerei ein Ahnen von Bewegung und Sehnsucht früherer Wesen, das heute noch Ungestilltes entdecken läßt.
So provoziert eine Fotoreihe von Ans Swart, in der sie sich an Plätzen ehemaliger Beginenhöfe in Erfurt postiert, ein Spiel, mit dem Finger selbst über die Straßen unserer Stadt zu fahren und diese Adressen aufzusuchen.
Man beginnt Anteil zu nehmen an diesem »Volksstamm« der Beginen. Diese alleinstehenden Frauen, die sich außerhalb der Familien und der Klöster in einer religiöse Gemeinschaft zusammenschlossen, arbeiteten und Profit erzeugten. Sie nahmen bald einen akzeptierten Platz in der Öffentlichkeit ein.
Das zeigen die Namen und die realen Fassaden eigener Häuser, die sogar wie in Amsterdam ganze Stadtteile bildeten.
Gabriele Stötzer 23.3.97
19. März 1997 ERFURTER ALLGEMEINE / Thüringer Allgemeine
Bildunterschrift:
SPASS AM BEGINEN-PROJEKT: Verena Kyselka (r.) und Ausstellungsmacherin Birgit Rauschenbach.
Der unangepaßte Geist inspirierte Künstlerinnen
Ausstellungsprojekt »Beginen in Erfurt« ab morgen im Rathaus.
ERFURT. Wer schon mal in Amsterdam war, den werden Stadtführer auf den Beginenhof hingewiesen haben, ein idyllisches Fleckchen mit historischem Gewicht inmitten der niederländischen Hauptstadt. Beginen nannten sich im MittelalteralleinstehendeFrauen, die sich zu einer geistig und wirtschaftlich unabhängigen Bewegung zusammenschlossen. Spuren ihres Wirkens ziehen sich durch ganz Europa, durch Belgien, Frankreich, Italien, Süddeutschland.
Wer in Erfurt nach Beginen fragt, der wird nur in seltenen Fällen fündig. Dabei waren sie hier im 13. und 14. Jahrhundert durchaus präsent. Die Erfurter Künstlerin Verena Kyselka jedenfalls machte ihre (verwischten) Spuren z. B. an der Hirschlache, Drachengasse, an der Ruine Barfüßerkirche, Lange Brücke/Regierungsstraße, Nonnengasse oder am Ratskeller ausfindig. Sie ist fasziniert von dem Thema seit sie es erstmals anfaßte, tauchte deshalb gemeinsam mit Ausstellungsmacherin Birgit Rauschenbach in die Stadtgeschichte ein und in Archive ab und förderte viele schriftliche Zeugnisse über die Beginen zutage. »Die schöpferische und soziale Lebenseinstellung dieser Frauen ist beeindruckend«, findet sie. »Sie haben die überfüllten Klöster verlassen, von ihrer Hände Arbeit gelebt. Sie übten Berufe aus, arbeiteten auch wissenschaftlich.
In Erfurt fand man sie vor allem im Textilgewerbe und im Waidgeschäft. Später wurden sie von den Zünften verdrängt, endeten oft als Hexen auf dem Scheiterhaufen.«
Weil der »unangepaßte Geist« der Beginen in heutigen Zeiten genug inspirativen Stoff gibt, lud Verena Kyselka internationale Künstlerinnen zum Atelieraustausch ein. Ihr Projekt »Beginen in Erfurt« bekommt morgen in der Galerie »etage 2« im Rathaus konkrete Ausstellungsgestalt. Ans Swart aus Amsterdam schuf einen Bilderzyklus mit der Nacktheit weiblicher Torsen und fotografierte u.a. dort, wo einst Beginenhöfe standen. Die in Florenz lebende und arbeitende Deva Wolfram ließ sich von Mechthild von Magdeburg als eine der bekanntesten Beginen inspirieren. Erika Magdalinski lebt und arbeitet in Port Vendres und nahm Anleihen bei französischen Beginen und Verena Kyselka selbst setzte schriftlich überlieferte Liebeslyrik der Beginen in Bildsprache um und schwärmt vom Witz und von der Tiefe eines mittelhochdeutschen Dialoges zwischen einer Begine und Meister Eckhart.
Die Bilder laden ein, sich tiefer mit der Materie zu beschäftigen. Das Rathaus ist dabei ein Ort, der zusätzlich Reibung garantiert. Denn - so die Macherinnen - ein gut Stück mittelalterlicher Stadtgeschichte liege nun mal noch ziemlich im Dunkeln.
Birgit Kummer
TLZ / Treffpunkt / Seite 3 / Gesellschaft / Sonntag, 5. April 1997
Von Ute Förster:
Europas mutige Künstlerinnen
Fünf Frauen provozieren »Vita aktiva«
Im Thüringer Landtag wurde die Exposition gleich abgelehnt. Sie im Rathaus zu installieren, sei auch schwierig gewesen, sagt Ausstellungmacherin Birgit Rauschenbach aus Weimar. Wie sie es dennoch geschafft habe, »soll nicht in der Zeitung stehen« Nur soviel: Die Erfurter Gleichstellungsbeauftragte hat ein bißchen nachgeholfen.
Was ist das für eine Ausstellung, die schon vor ihrer Eröffnung für solchen Wirbel sorgte? Auf den ersten Blick eine ganz kleine, ganz gewöhnliche. Auf den zweiten eine sehr weibliche, sinnliche. Erst beim dritten Hinschauen und vierten Nachfragen stellt sich heraus, daß sich die Galerie im Rathaus der Landeshauptstadt eine hochpolitische, äußerst brisante Schau leistet, hinter der eine durchaus revolutionär zu nennende Bewegung steht:
Die der Beginen.
Das Glas als Brücke
Den mittelalterlichen Frauen, die erst geduldet, später verbrannt und verdammt wurden, auf die Spur gekommen zu sein, ist das eigentliche Verdienst von vier europäischen Künstlerinnen voran Verena Kyselka, die »in verbotene Bibliotheken einstieg« literarische wälzte, im Domarchiv wühlte und sogar das Autonome Frauenzentrum »Brennesseln« in Erfurt für ihre Forschungen gewann.
Doch keine Sorge: Mit militantem Feminismus hat das Quartett nichts am Hut.
Eher schon sympathisieren Ans Swart aus Amsterdam und Deva Wolfram aus Florenz. Erika Magdalinski aus Port Vendres und Verena Kyselka aus Erfurt mit den unkonventionellen religiösen Ansichten der Beginen, ihrer körperlichen Gläubigkeit:
Hatten sie doch nicht nur die Heilige Schrift ins Deutsche, Holländische und Französische übersetzt, sondern auch die Kirche als Mittler für uninteressant gehalten. Motto: Nichts sei zwischen Mensch und Gott.
Als Brücke zwischen Gestern und heute wählten Erika Magdalinski und Verena Kyselka schlichtes Spiegelglas. Kratzte die eine Antlitze von Frauen hinein, fand die andere den mittelhochdeutschen Dialog zwischen einer eigensinnigen Begine und - vermutlich - Meister Eckehart, ihrem Beichtvater, »total klasse«: »…ich weiß wohl keine Frau kann in den Himmel kommen, wenn sie kein Mann wird«. Die Worte stammen von Schwester Katrei aus Strabburg, einer bettelnden, wandernden Begine, die besonders verfolgt wurde.
So fand in der Geschichte der mutigen Mittelalter-Frauen eine jede auch ein Stück von sich selbst wieder: die Erfurterin ihre Erotik, die Amsterdamerin ihre Spiritualität; die Florentinerin begegnete der Philosophie, die Französin der Liebe. Und die Weimarerin dem »Mut zur eigenen Arbeit«. Da sage einer, dies seien ausschließlich feminine Themen.
Nun soll »Vita aktiva«, die kleine feminine politisch brisante Schau über die Beginen in Erfurt, auf Wanderschaft gehen. Sie dürfte Amsterdam, wo ein liebevoll gepflegter Beginenhof touristische Attraktion ist und 1974 die letzte Begine starb, willkommener sein als dem Thüringer Landtag.
Zur Sache
Künstlerinnen aus vier europäischen Ländern begeben sich auf Spurensuche nach dem Wirken der Beginen in Erfurt - einer Bewegung alleinstehender Frauen im Mittelalter, die geprägt war von unangepaßtem Geist und heute noch modern erscheinenden religiösen Auffassungen. In der zweiten Etage des Erfurter Rathauses sind unter dem Titel »Vita aktiva. Beginen in Erfurt« bis 18. Reaktionen zu sehen. Ans Swart aus Amsterdam stellt die Nacktheit weiblicher Torsen der Blöße mittelalterlichen Fachwerks gegenüber. Erika Magdalinski aus Port Vendres entdeckte in Erfurt ihre Seelenverwandtschaft zur französischen Begine Marguerite Porete und übertrug deren ketzerischen Dialog aus dem »Spiegel der einfachen Seele« auf Zweige, die zum Scheiterhaufen aufgeschichtet sind. Die farbenfrohen Bilder der Erfurterin Verena Kyselka sprechen die Sprache der Erotik, während Deva Wolfram aus Florenz ein vierteiliges Bild schuf - eine philosophische Auseinandersetzung mit Mechthild von Magdeburg.
Das Innewerden Gottes in der eigenen Brust
Die Beginen im Mittelalter oder: Bewegte Frauen sind keine Mode der Neuzeit
Von Birgit Rauschenbach
Wer waren die Beginen? Im Duden steht lapidar: Angehörige einer halbklösterlichen Frauenvereinigung. Auch im Brockhaus erscheinen die Erläuterungen nicht ausreichend für die interessanteste Gruppe der religiösen Frauen im Mittelalter, die keinem Orden angehörten und meistens kein Klosterleben führten.
Beginen waren fromme Jungfrauen oder Witwen aus reichen Patrizierfamilien und ländlichen Adelshäusern, aus Handwerker- und Bauersfamilien, die sich außerhalb kirchlicher Orden zu einer Vereinigung namens „Vita activa" zusammenschlossen.
Sie zeichneten sich durch ihr schöpferisches, praktisches und karitatives Tätigsein aus.
Es gab zwei Gruppen von Beginen: die fluktuierenden und die seßhaften. Erstere verkündigten auf der Straße ihre Kirchenkritik öffentlich, über setzten die heilige Schrift in die Volkssprache oder bettelten - was übrigens damals nicht unehrenhaft war. Die Seßhaften finanzierten sich aus Eigenvermögen, ihrem Verdienst oder Zuwendungen von Gönnern. Sie lebten in Beginen- und Frauenvierteln - in den Niederlanden sogar in Beginenhöfen - und gründeten Beginenkonvente.
Die Beginenbewegung verbreitete sich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im gesamten mitteleuropaischen Raum: in Italien, Frankreich, Deutschland und Flandern, den Niederlanden und der Schweiz. Hochburgen waren die Bischofsstädte.
In der mittelalterlichen Gesellschaft war der Status der unverheirateten Frau kein ungewöhnlicher Umstand.
Es gibt mehrere Thesen, welche die Entstehung einer solchen Bewegung begründen. Die eine sagt aus, daß es im Mittelalter einen enormen Frauenüberschuß gab, der die Unabhängigkeit von Frauen begünstigte.
In der anderen wird behauptet, daß der Bewegung eheunwillige oder eheuberdrüssige Frauen angehörten, die sich jedoch nicht dem erzwungenen klösterlichen Keuschheitsgelübde unterwerfen wollten.
In Köln gab es in der Mitte des 14. Jahrhunderts etwa 169 Beginenkonvente mit rund 1170 Bewohnerinnen. Für Erfurt war die genaue Anzahl der Konvente nicht zu ermitteln. Die Beginen wandten sich gegen die hinter Klostermauern eingeschlossene Lebensform. Sie suchten die direkte Konfrontation mit dem weltlichen und städtischen Leben. Durch ihrer Hände Arbeit und Teilhabe am städtischen Wirtschaftsleben suchten sie als eine gesellschaftlich sichtbare Gruppierung von Frauen Öffentlichkeit.
Große Konflikte mit den Zünften
Die größte Bedeutung kommt dabei dem Lebensunterhalt zu, den die Beginen durch Handwerk erwirtschafteten. Vorrangig, auch in Erfurt, arbeiteten sie in den Zweigen des Textilhandwerks: Weben, Spinnen, Nähen, Sticken, Bleichen, Färben und Wollkämmen.
1282 gestattete Erzbischof Werner von März dem Erfurter Rat, die Beginen, die mit Wollwaren handelten, zu bürgerlichen Lasten heranzuziehen. 1320 wurde in Erfurt ein Beginenkonvent wegen »trauriger Vorkommnisse« aufgelöst, leider war nicht zu erfahren, welche. 1332 wurde von den Erfurter Beginen ein Zoll für Tuchabfälle erhoben, die wieder zu Fabrikaten verwendet werden. Es kam zu enormen Konflikten mit den Zünften, in deren Verlauf die Beginen aus vielen handwerklich, gewerblichen Produktionsbereichen verdrängt wurden.
Trotz Verfolgung wurde die Bewegung nicht zerschla-gen, sondern verfolgte ihre Aktivitäten in Deutschland weiter. Wirtschaftliche Interessen waren auch die Gründe für die Vertreibung von 1500 Beginen im Jahre 1404 aus Basel. Das gesamte Beginenvermögen wurde durch die Franziskaner- und Dominikanerorden eingezogen. Doch die wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfe und die fehlende politische Lobby waren nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden dieser Frauenbewegung.
Das Verhältnis der Kirche zu den Beginen schwankte im Laufe der Zeit zwischen Milde und Verfolgung, 1216 erlaubte Papst Honorius II. den Beginen zwar, als religiose Laiengemeinschaft zusammenzuleben und sich geistig zu fördern, aber es existiert keine schriftliche Vereinbarung darüber. Die Rechtsstellung der Beginen war also von Anfang an unsicher. Sowohl Religiösität als auch Lebensform der Beginen widersprachen der herrschenden Theologie. Das heißt, es gab eine typisch beginische Identität, die sich sowohl in ihrer geistigen Haltung auch zum Teil in ihrer Kleidung, der Beginentracht, äußerte.
In den Werken der Mystikerinnen des 12. und 13. Jahrhunderts artikulierten sich eindeutige Proteste gegen die von der Kirche verbreitete Doppelmoral. Sie wagten es, die unkeusche und verschwenderische Lebensweise der Kirchenmänner öffentlich zu thematisieren und äußerten eigensinnige Ansichten über verschiedene theologische Fragen.
Die Kirche als Mittler zwischen Mensch und Gott wurde von ihnen nicht anerkannt. Sie verstanden Religion nicht nur als Geisteshaltung. Ihre Religiösität war eine körperbetonte, das »Innewerden Gottes in der eigenen Brust« besagt.
Verbrannt wegen Häresie und Ketzerei
Im auslaufenden 13. und beginnenden 14. Jahrhundert erreichte die Bewegung ihre stärkste Verbreitung. Es gab Vernetzungen mit Beginengemeinschaften zwischen Erfurt und Schweidnitz. Sie gehörten sogar einer Geheimorganisation, die sich »Brüder des Freien Geistes« nannte, an.
100 Jahre nach dem öffentlichen Bekenntnis des Papstes zur Duldung der Beginen hob das Konzil von Vienne 1317/18 den Stand der Beginen wegen Häresie und Ketzerei wieder auf. Schon im gleichen Jahr gab es in Straßurg die ersten Verbrennungen und Ermordungen vor Beginen. Inzwischen wurden auch in Straßburg die »freien« Beginen, die keiner Regel angehörten für häretisch erklärt. Die Dominikaner wollsich mit dieser Differenzierung an den Straßburger Beginen rächen, die es mehrfach gewagt hatten, Mönche wegen sexueller Belästigung öffentlich anzuklagen. Für das Gebiet von Thüringen war der Inquisitor Walter Keringer im Jahr 1369 zuständig Er hat allein in Erfurt 400 Beginen verurteilt und 200 von Ihnen verbrannt.
An nachfolgenden Straßen und Plätzen konnten in Erfurt Beginenkonzile nachgewiesen werden: an der Hirschlach, in der Drachengasse im Andreasviertel, bei der heutigen Ruine der Barfüßerkirche, in der Nähe der Langen Brücke/Regierungsstraße, in der Nonnengasse, an der Stelle des Ratskellers am Fischmarkt, am »Nonnenhuz« gegenüber der Wigbertikirche am Angerbrunnen, am ehemals freien Platz Ecke Lange Brücke/Paulsstraße/Kettenstraße sowie am Fuß des Potersberges.
Unangepaßte Künstler-Botschaften
Von Beginen und Mailartisten: Internationale Expositionen weiten den Blick
Von unserem Mitarbeiter Michael Plote
Die eine Ausstellung blickt nach Osten, die andere macht mittelalterliche Geschichte für moderne Kunst produktiv. Beide verbindet, daß ihre unangepaßten Protagonistinnen den herrschenden Verhältnissen ihrer Zeit widerstanden.
In Erfurt weitet sich nach und nach der Blick für internationale Kunstströmungen und Künstlerinnen, die Weltoffenheit und Toleranz ins Thüringer Land und seine Hauptstadt tragen. Diese Anregungen von außen initiiert, aufgenommen und weitergetragen zu haben, sie, jetzt in zwei Ausstellungen zu präsentieren, sind das Verdienst von Verena Kyselka aus dem Erfurter Kunsthaus sowie dem Europäischen Kulturzentrum im Haus Dacheröden.
Die Künstlerin Kyselka organisiert regelmäßig »Herbstsalons«, das heißt, Künstlerinnen aus Europa besuchen sich gegenseitig in ihren Ateliers, um dort zu arbeiten, zu leben, neue menschliche und künstlerische Erfahrungen zu sammeln. Die Ausstellung »vita aktiva - Beginen in Erfurt« in der Galerie im Rathaus berichtet vom künstlerischen und geistigen Ertrag einer solchen Begegnung und Suche, an der sich die Niederländerin Ans Swart, Deva Wolfram aus Florenz und Erika Magdalinski aus Port Vendres beteiligten.
Denn eine Spurensuche war es, die Erforschung mittelalterlicher Geschichte und von Geschichten jener selbstbewußten, alleinstehenden Frauen, den Beginen, die sich zu einer geistig und wirtschaftlich unabhängigen Bewegung meist außerhalb kirchlicher Orden und Klöster zusammenschlossen. Beginen-Konvente existierten in den großen Städten Mitteleuropas, die oft zugleich Bischofssitz waren, auch in Erfurt sind sie nachweisbar. Für Ans Swart war die Suche nach einstigen Beginenhöfen in Erfurt Ausgangspunkt und Inspiration zugleich für ihre blutenden, brennenden, mystischen Frauen, ein Bilderzyklus, der die Verwundbarkeit, Schwäche, Nacktheit weiblicher Körper in blutroten wie auch verblassenden Farben zeigt, ungemein dynamisch, doch der inneren und äußeren Verletzbarkeit Formen und Proportionen gebend. Gegenüber sind Fotos von Fundorten platziert, wo einst Erfurter Beginen lebten. Auf transparentem Plexiglas hat Verena Kyselka Liebeslyrik der Beging Mechthild von Magdeburg kopiert, kombiniert mit erotischen Zeichnungen, blutroten Mündern ein Feuerwerk menschlicher, Gefühle versinnbildlicht. - Deva Wolfram läßt sich durch die Religiosität dieser Begine inspirieren. Ihr zweiteiliges, großes Tafelbild, einen Torbogen darstellend, der Auftakt des Ausstellungsrundganges, macht exemplarisch auf die problematischen Raum- und Lichtverhältnisse der Rathaus-Galerie aufmerksam.
Hinter den Mailartisten aus Osteuropa verbergen sich Künstlerinnen und eine Kunstströmung, die lange vor Glasnost und Mauerfall eine Art Gegenkultur und Antikommunikation zur vorherrschenden Linie in den 70er/80er Jahren entwickelten. Die Ausstellung im Haus Dacheröden »Mail Art - Osteuropa im internationalen Netzwerk« vereint etwa 350 Arbeiten wie Postkarten, Briefumschläge, Plakate, Stempel, Stikker und Objekte, die Auskunft geben über eine Kunstform, die demokratisch, witzig, subversiv, spontan und aktuell auf Zeltereignisse im jeweiligen Land reagierte. Die Ausstellung besitzt ihre Stärke in ihrer künstlerischen und kommunikativen Vielgestaltigkeit, ihr ästhetischer Reiz wird wohl nicht jeden Betrachter erreichen: Ein zweiter Teil der Ausstellung, die zuvor in Schwerin, danach in Berlin und Budapest zu sehen sein wird, ist im Mai in Erfurt zu besichtigen. Die unangepaßten Botschaften der Beginen im Rathaus können bis zum 18. April, die der Mailartisten im Haus Dacheröden noch bis zum 6. April in Augenschein genommen werden.
Ans Swart
Visual Artist, Thangka-Painter
Amsterdam / Tenerife
EARLY WORKS
CURRENT WORKS
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